Eleno de Céspedes
* ca. 1545 in Alhama, heute Spanien
† ? 1587

Eleno de Céspedes
Eleno de Céspedes wuchs zunächst als Elena auf und heiratete mit 16 einen Mann, der sie verließ, als sie schwanger wurde. Nach der Geburt ihres Sohnes zog Céspedes nach Granada, lernte das Schneiderhandwerk und begann, männlich zu leben.
Er nahm den Namen Eleno an, trat der spanischen Armee bei und diente als Soldat. Später erlernte er bei einem befreundeten Chirurgen anatomische Kenntnisse und erhielt 1577 offiziell die Lizenz als „cirujano“.
Obwohl er später oft fälschlich als „erste weibliche Chirurgin Spaniens“ bezeichnet wurde, führte Céspedes seine Arbeit selbstbewusst in männlicher Identität aus.
1586 heiratete Eleno María del Caño. Ein Jahr später wurden beide der Sodomie angeklagt. Vor der Inquisition erklärte Céspedes, sowohl männlich als auch weiblich zu sein. Ärztliche Untersuchungen bescheinigten sowohl „männliche“ als auch „weibliche“ Merkmale. Da das Gericht kein klares „weibliches“ Geschlecht nachweisen konnte, verurteilte es ihn wegen Bigamie statt Sodomie, weil kein Nachweis über den Tod des ersten Ehemanns vorlag. Céspedes erhielt 200 Peitschenhiebe und zehn Jahre Zwangsarbeit, vor allem in einem Hospital.
Der Prozess gegen Céspedes zählt zu den frühesten ausführlich dokumentierten Fällen geschlechtlicher Uneindeutigkeit vor einem europäischen Inquisitionsgericht und bietet seltene Einblicke in frühneuzeitliche Vorstellungen von Körper, Geschlecht und Recht. Seine Strategie, medizinisches Wissen, eigene Körpererfahrung und juristische Argumente zu verbinden, macht Eleno de Céspedes zu einer außergewöhnlichen Figur an der Schnittstelle von Geschlechtergeschichte, Medizin- und Rechtsgeschichte.
Die Forschung diskutiert bis heute, ob Céspedes intergeschlechtlich, trans oder eine cis-geschlechtliche lesbische Frau war. Er selbst verwendete konsequent männliche Pronomen.