Roberta Cowell

* 8. April 1918 in London, heute Vereinigtes Königreich
† 11. Oktober, 2011 in London, heute Vereinigtes Königreich

Roberta Cowell (c) Anne Bengard

Roberta Cowell

Roberta Elizabeth Marshall Cowell war eine britische Rennfahrerin und Kampfpilotin der britischen Luftwaffe (Royal Air Force) im Zweiten Weltkrieg. Bei ihrer Geburt wurde ihr das männliche Geschlecht zugewiesen. Sie trat in jungen Jahren der britischen Luftwaffe bei und diente im Krieg als Pilotin. Nach einem Abschuss über Deutschland geriet sie in Kriegsgefangenschaft und blieb mehrere Monate interniert. Trotzdem kehrte Cowell in den 1950er Jahren in den Motorsport zurück und gewann 1957 das Hillclimb-Rennen in Shelsley Walsh.

In einem späteren Zeitungsinterview sagte sie, der weibliche Geschlechtseintrag ab 1951 habe ihr den Zugang zum Grand-Prix-Rennsport faktisch versperrt.

Neben dem Militär war Cowell im Motorsport aktiv und nahm bereits in den 1930er Jahren an Rennen teil. Nach dem Krieg führte sie zunächst ein bürgerliches Leben, war verheiratet und hatte zwei Kinder. 1948 trennte sie sich von ihrer Familie, begann eine medizinische Transition und lebte fortan als Frau. Der Arzt Michael Dillon, selbst ein trans Mann, unterstützte sie bei medizinischen Eingriffen. Auf Grundlage ärztlicher Gutachten erhielt Cowell neue amtliche Papiere mit weiblichem Geschlechtseintrag. Dadurch war ihr die Teilnahme an bestimmten Rennklassen nicht mehr erlaubt.

Nach weiteren Operationen wurde ihre Geschichte in der Presse öffentlich bekannt, unter anderem in der Zeitschrift Picture Post. Cowell zog sich später weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Sie bezeichnete sich selbst als intergeschlechtlich und gilt historisch als eine der ersten trans Frauen in Großbritannien, die sich körperangleichenden Operationen unterzogen.

Cowell veröffentlichte 1954 ihre Autobiografie Roberta Cowell’s Story, eines der frühesten Selbstzeugnisse einer trans Frau im Vereinigten Königreich. Darin betonte sie wiederholt, dass sie ihre Transition nicht als Skandal, sondern als notwendige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben verstand.

 

Das Portrait Roberta Cowell wurde von Anne Bengard speziell für die Ausstellung bei der Fraport AG Frankfurt geschaffen. Das Originalwerk wurde dem Vorstand des Fraport zur Vernissage am 13. Mai 2019 übergeben.

"It‘s easier to change a body
than to change a mind."
Roberta Cowell

Anne Bengard (c) Anne Bengard

Anne Bengard

Anne Bengard wurde 1988 in Leipzig geboren.

Schon im Alter von 9 Jahren zog sie in eine kleine Küstenstadt im Südwesten Englands bevor sie 2007 nach London ging, um Performance Design an der renommierten Central Saint Martins Hochschule für Kunst und Design zu studieren .

Zur gleichen Zeit begann sie als Set-und Eventstylistin zu arbeiten und wurde Teil der bunten Alternativszene des Londoner Nachtlebens. Unter anderem gehört sie zum Ensemble des weltweit größten und ältesten Fetischclubs „Torture Garden“. Schon in frühen Jahren wurde sie so mit der Kreativität, der Selbstdarstellung und dem offenem, tolerantem, aber vor allem respektvollem Umgang in der Clubszene vertraut. Diese Erfahrungen bilden heute ihre Grundwerte, die sich in ihrer Arbeit abbildet: sich Vorurteilen und Ängsten bewusst zu sein, zu hinterfragen und sich ihnen offen entgegen zu stellen.

Angespornt von einer beabsichtigten Ironie und einem spielerischen Sinn für Humor, bedienen sich Anne‘s Arbeiten der Ideen und der Gegenüberstellungen von Angst, Erotik und dem Grotesken. Mit ihren provokanten aber auch sinnlichen Bildern möchte sie eine sofortige Reaktion oder Empfindung im Betrachter hervorrufen.

Seit ihrer Rückkehr nach Berlin im Jahr 2014 hat sich Anne auf figurative, großformatige Pop-Aquarell-Porträts spezialisiert, die gesellschaftliche Normen, Trends und Vorurteile untersuchen.

Dem Betrachter möchte sie so für eine uneingeschränkte und kritische Auseinandersetzung mit ihren Grundeinstellungen gewinnen.

Im Jahr 2016 wurde sie als eine von 13 weiblichen Protagonisten, die in männlich dominierten Berufen arbeiten, ausgewählt in Jennifer Rostocks Musikvideo „Hengstin“ aufzutreten. Damit unterstreicht sie ihre Ansichten zur Gleichstellung, Toleranz und der Förderung des kritischen Selbstbewusstseins sowie der Reflektion von Gedanken und Handlungen.

www.annebengard.com

Bild: Anne Bengard